Davoser Aspekte
Tiefwinterliche Gefilde eignen sich offenbar besonders gut eine neue Epoche, eine Zeitenwende einzuläuten. Vergangenes Jahr übte sich bereits Trumps Vize JD Vance anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) darin als er in einer eigentlichen Brandrede den Zustand Europas treffend analysierte. Und nun am WEF nutzte sein Chef Donald Trump die grandiose Davoser Kulisse, um die Umrisse einer neuen Weltordnung zu skizzieren. Bei aller berechtigten Kapitalismus Kritik der Genossen vom linken Rand, dieser Bruch mit der sogenannten «Regelbasierten Werteordnung» zieht auch etwas Positives nach sich. Denn das von Trump völlig zurecht kritisierte Europa; «Ich erkenne dieses Europa nicht wieder», und, «Europa geht in die falsche Richtung, in dem es den falschen Fokus auf die Masseneinwanderung und erneuerbare Energien gelegt hat», wirkt ob einer solchen Breitseite völlig desorientiert. Gefangen zwischen eigenen moralischen Ansprüchen, und einer Ordnung, die sich selbst überlebt hat, klammert sich dieser Kontinent an «Werte», die nicht nur völlig aus der Zeit gefallen sind, sondern vor allem auch gegen den Willen, die vitalen Interessen der eigenen Bevölkerung stehen. Denn mit Dogmen wie politischer Korrektheit, Gender, Woke und dem ununterbrochenen Beschwören der sogenannten «Regelbasierten Ordnung» lassen sich keine tragfähigen Mehrheiten finden.
Über eine hektische Reisediplomatie, Merz zu Meloni, Macron zu Starmer und alle miteinander zur «Pleiten Uschi» von der Leyen nach Brüssel versucht man den eigentlich schon irreparablen Schaden möglichst gering zu halten, das unvermeidliche abzuwenden. Die Heuchlereien Richtung Washington ins Weisse Haus müssen dabei als absolut blamabel taxiert werden.
Wie, oder von wem sollen solche Politiker noch ernst genommen werden? Hinzu kommen die Betteltouren eines Selensky dem EU und Nato regelmässig auf den Leim gehen, und Milliarden wie letzthin 90 Milliarden in einen maroden, bis obenhin korrupten Staat pumpen, der zudem am geostrategischen Abgrund steht.
Kein Zweifel, die Welt wird neu geordnet. Die «grossen drei» USA, China, und Russland teilen sich ihre Einflusssphären Kulturraummässig untereinander auf. Russland strebt danach die eng Verwandte Ukraine einzuverleiben, China hat den ebenfalls chinesischen Inselstaat Taiwan im Visier, und die USA greifen nach Hegemonie in Mittel und Südamerika. Hier dürfte auch Europa nicht abseits stehen und diesen Kontinent einer Kulturraumorientierten Reform unterziehen, und dabei die sprachliche Komponente mit einfliessen lassen. Brüssel kommt nicht umhin Abschied zu nehmen von den starren Grenzziehungen der Gegenwart. Gefragt sind Konzepte jenseits Kulturraum und Sprachraum Übergreifender Gebilde.
Die «transatlantische Solidarität», diese über Jahrzehnte durch den «grossen Bruder» jenseits des Atlantiks garantierte Stabilität und Sicherheit welche es Europa erlaubte sich auf Kosten amerikanischer Arbeiter und Farmer bequem ein zu richten weicht nun einer Ordnung die auf Werte zurückgreift die dem vor allem in Westeuropa lieb gewordenen liberalen Gesellschafts bzw. Wohlstandsmodell diametral entgegenstehen. Die einst von Michael Gorbatschow an den damaligen DDR Staatschef Honecker gerichteten Worte; «Wer zu spät kommt den bestraft das Leben» hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Europäer. Wenn sich nun ein US- Präsident vor versammelter Weltöffentlichkeit erlaubt von Grönland, überspitzt formuliert von «einem Stück Eis» zu sprechen mit dem Kalkül dahinter die Arktis Insel vor dem Zugriff Russlands oder vielleicht bald Chinas zu schützen, Russland der Verwirklichung seinem Anspruch auf die Kulturhistorisch eng Verwandte Ukraine, mit einem bereits rund vier Jahre dauernden Krieg immer näher kommt, und sich vor allen Dingen Brüssel gegenüber dieser Zeitenwende nur noch mit Gebetsmühlenartig wiederholten Phrasen wie der unverrückbarkeit bestehender Grenzen, oder der Bewahrung eines angeblichen Friedensprojektes zu wehren weiss, wird unmissverständlich klar dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, dass sich Denkschemata die sich an transatlantischer Stabilität orientieren definitiv der Vergangenheit angehören.
Der Schweiz als geographischer Ausrichter des Davoser WEF Spektakels bleibt die Rolle des Zaungastes. Dem nicht genug wurde der Bundesrat, allen voran Magistratin Keller-Sutter vom
US Präsidenten regelrecht vorgeführt. Ihr zugegeben schlechter Verhandlungsstil, das Duckmäusertum, mit dem sich unsere Politiker durch die Welt mogeln, wirken dabei allzu offensichtlich.
Wie überall in Europa mangelt es auch in der Schweiz an Politprofis, volkstümlichen Typen und Visionären, die ihr Land im Sinne jener vertreten die von Morgens bis Abends im Kampf um den Broterwerb stehen, und sich nicht primär als Zuträger diverser Lobbyinteressen sehen. Nicht nur in Bezug zur Schweiz, der Narzisst Trump legt die Schwächen Europas schonungslos offen. Wenn er etwa behauptet, «ohne die USA bringe Europa nichts zustande», mag das zwar reichlich überheblich klingen und grenzt an Impertinenz, doch die Zeiten sind längst vorbei, als wir uns noch, geleitet durch nationale Ideale, selbstbehauptend durch die Jahrhunderte schlugen. Der Geist, diese Ideale, welche unsere Nationen einst zu ihrer historischen Grösse formten, geraten zusehends in Vergessenheit, drohen von der Geschichte verschüttet zu werden.
Fundamentale Kritik am Zustand Europas, an internationalen Institutionen, der US Präsident beliess es aber nicht dabei, sondern nutzte die Gelegenheit in Davos zur Gründung einer Art von Gegenkonzept zur UNO, unter dem Namen «Board of Peace», einer Organisation, der er auf Lebenszeit vorstehen soll. Eingeladen sind alle, die direkte Gespräche und unkonventionelle Vogehenweisen, der Ineffizienz der UNO und ihrer Unterorgansîsationen vorziehen. Wie weit die Lancierung einer solchen Idee von Erfolg gekrönt sein wird, muss sich erst weisen. Ein mutiger Schritt ist es allemal und Handlungsbedarf besteht ebenfalls. Dabei zieht das Argument der Kosten genauso wenig wie der Vorwurf die Reichen würden über dieses Gremium die Welt unter sich neu aufteilen, denn zum einen kostet auch die UNO Unsummen die zu grossen Teilen im gewaltigen Verwaltungsapparat versickern, und zum anderen ist die UNO zu einem reinen Debattierclub verkommen der weitgehend erfolglos vor sich hin dümpelt. Dieser Präsident mischt die Welt nicht nur gewaltig auf, sondern schafft gerade mit seinem Konzept «America First» Fakten, die einen Beitrag zur Wiedererlangung nationaler Identität und Souveränität leisten können.